marxist-leninistHaltung
Ich bin Marxist-Leninist. Damit meine ich eine Methode zur Untersuchung der Gesellschaft und das Ziel, sie grundlegend zu verändern.
Warum Marx
Empörung über diese Gesellschaft gibt es in der Linken reichlich und ich teile sie. Sie zeigt aber nur an, dass etwas falsch läuft. Warum es falsch läuft, erklärt sie kaum. Viele bleiben an diesem Punkt stehen und setzen den Härten des Kapitalismus ein Bauchgefühl entgegen. Wer verstehen will, warum die Mieten steigen oder warum Staaten aufrüsten, muss sich ansehen, wie in dieser Gesellschaft produziert wird und wem die Produktionsmittel gehören.
Marx hat dafür den Begriff der Charaktermaske geprägt. Kapitalisten handeln demnach weniger aus persönlicher Bosheit als unter dem Zwang der Konkurrenz, weil sie sonst vom Markt verschwinden würden. Das entschuldigt sie nicht, lenkt den Blick aber von einzelnen Bösewichten auf die Verhältnisse, die solche Leute hervorbringen. Mit diesem Blick fällt auch auf, wie viele Debatten als Fragen von Moral oder Kultur geführt werden, obwohl es eigentlich um Klassen geht.
Abtreibungsverbote etwa treffen vor allem arme Frauen, weil Frauen mit Geld immer einen Weg finden. Kriminalität ist zu einem großen Teil eine Folge von Armut und Ausgrenzung und wer stattdessen von „Clans“ spricht, macht daraus eine rassistische Erzählung. Beim Wohnen liegt die Klassenfrage ganz offen zutage. In Berlin hat 2021 eine Mehrheit für die Enteignung der großen Wohnungskonzerne gestimmt und umgesetzt wurde davon bis heute nichts.
Weil mir die Theorie so viel erklärt, lese ich die Klassiker und sammle sie. Daraus ist das Archiv auf dieser Seite geworden, das über 7.600 Texte umfasst. Oft lohnen sich gerade die Texte mit dem schlechtesten Ruf.
Staat und Krieg
Greifbar wird der Klassencharakter dieser Gesellschaft vor allem beim Staat. Marx und Engels nennen die moderne Staatsgewalt im Manifest einen Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet. Lenin hat in „Staat und Revolution“ ausgeführt, wie dieser Ausschuss die Eigentumsordnung absichert und sich dabei als neutrale Instanz ausgibt. Im Alltag begegnet einem das zuerst bei der Polizei. Sie räumt die Wohnungen von Menschen mit Mietschulden und geht auf Demonstrationen gegen Linke vor. In Sonntagskrimis sieht man davon nichts, obwohl es viel häufiger passiert als ein mysteriöser Mord.
Neu ist diese Erfahrung nicht. Der CSD erinnert an den Aufstand gegen Polizeigewalt im New Yorker Stonewall Inn von 1969. Wenn CSD-Leitungen heute die Polizei rufen, um Antifa-Fahnen von ihrer Parade fernzuhalten, haben sie diesen Ursprung vergessen. Im Hintergrund arbeitet der Verfassungsschutz, der V-Leute in linke Gruppen schleust und Bewegungen von innen zersetzt. Mit der Chatkontrolle der EU soll bald auch die private Kommunikation durchleuchtet werden. Wer politisch aktiv ist, sollte sich spätestens jetzt ernsthaft mit Verschlüsselung beschäftigen.
Nach außen sieht es nicht anders aus. Lenin hat beschrieben, wie der Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium übergeht, in dem Bank- und Industriekapital verschmelzen und die großen Mächte um die Aufteilung der Welt ringen. Die Kriege unserer Zeit lassen sich damit besser erklären als mit Werten oder Völkerrecht und inzwischen schreiben selbst Leitartikler offen von Machtpolitik. Jeder Staat behauptet dabei, er rüste nur auf, weil die anderen aufrüsten. In Deutschland wird die Bundeswehr gerade zu einer Armee umgebaut, die weltweit Interessen durchsetzen soll. Die Wehrpflicht soll zurückkommen und Grüne wie AfD reden plötzlich gleichermaßen von der Pflicht, der Nation zu dienen. Ich halte es lieber mit Karl Liebknecht, der 1915 schrieb, dass der Hauptfeind im eigenen Land steht. Für diesen Staat und seine Ordnung werde ich keine Opfer bringen.
Am grausamsten zeigt sich diese Ordnung derzeit in Gaza und ich stehe dort an der Seite der Palästinenserinnen und Palästinenser. Was Israel in Gaza tut, ist ein Genozid und Deutschland liefert dafür Waffen und politische Rückendeckung. Dass ein Teil der deutschen Linken dazu schweigt oder es sogar verteidigt, gehört zu den bittersten Erfahrungen der letzten Jahre. Die Doppelmoral, mit der die Gewalt der Kolonisierten skandalisiert und die der Kolonisatoren verklärt wird, hat dabei eine lange Tradition. Europäische Zeitungen haben schon über den Boxeraufstand in China im Jahr 1900 genauso berichtet.
Deshalb halte ich auch den palästinensischen Widerstand für moralisch und historisch progressiv, so sehr er in deutschen Medien dämonisiert wird. Er steht in einer Reihe mit den antikolonialen Befreiungskämpfen des letzten Jahrhunderts von Algerien bis Vietnam. Mit dem zahnlosen Palästina-Aktivismus, der die Palästinenserinnen und Palästinenser nur als wehrlose Opfer sieht, die irgendwie von außen gerettet werden müssen, kann ich nichts anfangen. Sie sind sehr wohl in der Lage, ihren Kampf um Befreiung selbst zu führen. Neben aller humanitären Hilfe verdient dieser Kampf auch moralische und materielle Unterstützung.
Erinnerung und Antifaschismus
Zu einem solchen Staat gehört eine Erinnerungskultur, die manche Opfer kaum kennt. Im Vernichtungskrieg der Nazis wurden 27 Millionen Sowjetbürger ermordet. Das war ungefähr jeder siebte Mensch in der Sowjetunion und trotzdem wird daran in Deutschland wenig erinnert. Wenn doch, folgt fast immer ein Aber. Ähnlich steht es um den Porajmos, den Völkermord an den Sinti und Roma, der bis heute kaum aufgearbeitet ist, während ihre Diskriminierung zum Alltag gehört.
Noch weniger bekannt ist, was 1965 und 1966 in Indonesien geschah. Mit Unterstützung der USA wurde dort die drittgrößte kommunistische Partei der Welt verboten, ihre Mitglieder wurden gejagt und bis zu eine Million Menschen ermordet. Kein Buch hat mich so wütend gemacht wie „The Jakarta Method“ von Vincent Bevins. Der Antikommunismus, der solche Verbrechen möglich gemacht hat, gehört in der Bundesrepublik bis heute zur Grundausstattung. Inzwischen richtet er sich wieder gegen organisierte Jugendliche und staatlich geförderte Projekte nehmen sie mit großem Eifer ins Visier.
Wer sich mit dieser Geschichte beschäftigt, versteht auch besser, woher der Faschismus kommt. Er wächst in den Krisen des Kapitalismus und lässt sich deshalb auf Dauer nur zusammen mit ihm überwinden. Verhältnisse müssen aber nicht erst in Faschismus umschlagen, um verachtenswert zu sein. Auch ganz legal ist in der bürgerlich-liberalen Rechtsordnung sehr viel Leid möglich, von Abschiebungen in Kriegsgebiete bis zu Sanktionen, die Menschen das Existenzminimum nehmen.
Darauf setzt auch die AfD. Einen großen Teil ihres Programms könnte sie durchsetzen, ohne gegen das Grundgesetz zu verstoßen. Sie bereitet sich gezielt darauf vor, diese Möglichkeiten zu nutzen. Das spricht gegen die Verfassung und nicht für die AfD. Die übliche Unterscheidung zwischen der AfD und den sogenannten demokratischen Parteien halte ich deshalb für falsch. Die bürgerlichen Parteien übernehmen ihre Positionen bei Migration und Aufrüstung und setzen vieles davon selbst um, lange bevor die AfD mitregiert. Eine Brandmauer gibt es nicht, es gibt nur ein Spektrum und das ganze Spektrum rückt nach rechts.
Hegemonie und Organisierung
Dass all das so wenig Widerspruch findet, hat mit Hegemonie zu tun. Antonio Gramsci hat gezeigt, dass Herrschaft zwar auch auf Zwang beruht, also auf Polizei und Justiz, sehr viel öfter und dauerhafter aber auf Zustimmung. Zwang muss sichtbar eingesetzt werden und ruft Widerstand hervor. Zustimmung wirkt dagegen im Alltag, ohne dass jemand sie anordnen muss. Die herrschende Klasse sichert ihre Herrschaft deshalb vor allem dadurch, dass ihre Sicht auf die Welt als selbstverständlich gilt, als gesunder Menschenverstand, den kaum jemand hinterfragt. Diese Hegemonie wird in den Medien und in der Popkultur jeden Tag neu hergestellt und erst wenn sie bröckelt, tritt der Zwang wieder in den Vordergrund.
Wie ungleich die Gewichte dabei verteilt sind, hat man in diesem Sommer gesehen. Ein paar Witze junger Linker aus privaten Chats wurden bundesweit zum Skandal gemacht, während über vergleichbare Chats beim liberalen Parteinachwuchs kaum jemand berichtete.
Umso mehr freut es mich, dass Sozialismus für viele junge Menschen wieder attraktiv ist. Linke Streams haben teilweise mehr Zuschauer als die bekannten Krawallkanäle, kommunistische Gruppen tauchen wieder im Stadtbild auf und Schülerinnen und Schüler streiken gegen die Militarisierung. Wer künstlerisch oder in sozialen Medien für linke Inhalte arbeitet, leistet dabei genauso politische Arbeit wie jemand mit Flugblättern in der Hand und sollte auch so unterstützt werden.
Begeisterung allein ergibt allerdings noch kein Programm und die Gegnerschaft zu Rechts ergibt auch keins, so nötig sie ist. Zum politischen Erwachsenwerden gehört für mich, sagen zu können, wofür ich bin. Ich will eine Gesellschaft, in der die Produktionsmittel allen gehören und nicht einigen wenigen. Die Linkspartei halte ich dafür nicht für den richtigen Ort. Ihre Basis ist oft weiter als ihre Führung, aber jeder Versuch, die Partei von innen nach links zu ziehen, ist bisher gescheitert. Eine parlamentarische Opposition stabilisiert am Ende das System, gegen das sie sich zu wenden behauptet. Wer etwas verändern will, sollte sich in kommunistischen Strukturen organisieren.
Von Gewerkschaften erwarte ich Klassenbewusstsein. Sie sollen die materiellen Interessen der Beschäftigten durchsetzen und sich nicht um die Gewinne der Unternehmen sorgen. In Deutschland hat die Sozialpartnerschaft diese Haltung ziemlich gründlich verschüttet.
hobby-bastlerWerkstatt
Neben der Politik bastle ich gern, meistens an Software und Servern. Was auf dieser Seite läuft, habe ich selbst eingerichtet und pflege es auch selbst und am meisten lerne ich dabei, wenn etwas kaputtgeht. Der Hauptserver steht bei Hetzner in Falkenstein und trägt die Plattformen, das Archiv, die Mail und den ersten Nameserver ns1. Ein zweiter Server bei contabo übernimmt den Nameserver ns2, Skylens und einen Teil der Backups.
Auch mein Bluesky-Account liegt auf meinem eigenen Server. Der Umzug hat acht Stunden gedauert und zwischendurch hätte ich mir fast den Account zerschossen. Die meisten kleinen Projekte entstehen, weil mir etwas fehlt. Die junge Welt hat keinen Bluesky-Account, also spiegelt ein Bot von mir ihre Beiträge dorthin. Skylens habe ich als Ersatz für ClearSky gebaut und es zeigt, was sich über die offenen Schnittstellen von Bluesky zu jedem Account auslesen lässt. So sind auch die Werkzeuge auf dieser Seite entstanden.
Zu Hause steht außerdem ein Mac Mini mit einer kleinen KI, die keinen Zugang zum Internet hat. Ich füttere sie mit kommunistischen Texten und mit meinen eigenen Skripten, damit sie mit der Zeit besser wird.
eigene mail, eigene nameserverAutonomie
Autonomie ist mir wichtig. Ich will nicht von einem Konzern abhängen, der meine Kommunikation jederzeit abstellen kann.
Warum das zählt
Was ich oben über den Staat geschrieben habe, gilt im Digitalen genauso. Konten werden gesperrt und Dienste über Nacht eingestellt und Linke trifft das besonders, sobald sie unbequem werden. In Deutschland wurden sogar schon die Bankkonten eines Journalisten und seiner Angehörigen eingefroren, ohne dass ein Gericht darüber entschieden hätte.
Dahinter steht wieder die Frage nach den Produktionsmitteln. Die Plattformen, über die heute ein großer Teil der Öffentlichkeit läuft, gehören einer Handvoll Konzerne, deren Eigentümer teils offen auf der Seite der Rechten stehen. Ein eigener Server macht mich von ihnen zumindest ein gutes Stück unabhängiger. Deshalb betreibe ich so viel wie möglich selbst, auch wenn das deutlich mehr Arbeit macht als ein Konto bei Google.
Mail und Nameserver
Die meisten Menschen haben ihre Mail bei Google oder Microsoft. Meine läuft auf dem eigenen Server. Dort nimmt Postfix sie an, Rspamd und ClamAV sortieren Spam und Schadcode aus und Dovecot legt sie im Postfach ab. Ein Mailserver gilt zu Recht als schwierig, weil die großen Anbieter kleinen Servern misstrauen und Mails nur ankommen, wenn Signaturen und DNS-Einträge stimmen. Inzwischen werden Mails mit gefälschtem redflag.ps-Absender aussortiert und ein kleines Programm wertet jeden Morgen die Berichte der anderen Mailserver aus und meldet sich, wenn etwas schiefläuft.
Seit Oktober betreibe ich auch die Nameserver selbst, also das Telefonbuch des Internets, über das ein Browser überhaupt erst herausfindet, wo redflag.ps zu finden ist. Vorher lag das bei einem Hoster. Jetzt beantworten ns1 bei Hetzner und ns2 bei contabo alle Anfragen, beide mit Knot DNS, wobei ns2 jede Änderung automatisch von ns1 übernimmt. Neben redflag.ps liegen dort drei weitere Domains und wenn einer der beiden Server ausfällt, antwortet der andere weiter.
Wie weit es ist
Damit läuft fast alles hier, von Mastodon, Matrix und Bluesky über TeamSpeak und die Cloud bis zum Archiv. Die Backups gehen jede Nacht verschlüsselt auf einen Speicher außerhalb und zum Teil zusätzlich zu contabo. Ein eigenes Warnsystem schreibt mir, sobald etwas ausfällt. Ganz ohne Fremde geht es trotzdem nicht. Die Domain muss bei einer Registrierungsstelle liegen, die Server sind gemietet und ein paar Kleinigkeiten hängen noch am alten Hoster.
open sourceFreie Software
Bei Technik frage ich zuerst, wem sie gehört. Marx beschreibt im ersten Band des Kapitals, wie Arbeiter ihre Wut gegen die Maschinen richteten statt gegen deren Besitzer. Eine ähnliche Verwechslung begegnet mir heute in der Debatte um KI. Die Technik abzulehnen bringt wenig, solange offen bleibt, wem sie gehört und in wessen Interesse sie entwickelt wird. Wohin es führt, wenn das Kapital diese Frage für sich entscheidet, sieht man an Konzernen wie Palantir, die Überwachung zum Geschäftsmodell machen und an Polizei und Staat verkaufen.
Freie Software ist meine praktische Antwort darauf. Ihr Code ist offen und jeder darf ihn lesen, ändern und weitergeben. Keine Firma kann ihn wegsperren, sobald er sich nicht mehr rechnet. Auf diesem Server läuft deshalb fast nur freie Software, von Debian und nginx über Mastodon und Synapse bis zu MediaWiki und Postfix. Die einzige Ausnahme ist TeamSpeak.
Schreib mir.
Schreib mir gern, wenn du Fragen hast oder auf der Seite einen Fehler findest.
mail@redflag.ps